DARMSTADT (sir) – Die „Schnelle 6“ feiert dieser Tage ein kleines Jubiläum. Vor zehn Jahren, am 25. Februar 1991 ging die Straßenbahnlinie 6 zwischen dem Stadtteil Eberstadt und der Darmstädter City in Betrieb. Nicht nur für die Darmstädter war es damals die erste Expresslinie im Nahverkehrsnetz der Stadt, selbst bundesweit beschritt die HEAG Verkehrs-GmbH damals Neuland.
Mit nur 13 Haltepunkten und „grüner Welle“ bei Ampelanlagen kommt die Schnelllinie auf der 10,8 Kilometer langen Strecke bis heute zügig voran. Insbesondere von Berufspendlern wird die Linie gut angenommen. Fast 7.000 Fahrgäste täglich nutzen die Expressverbindung.
In den letzten zehn Jahren wurde wenig an der Linie geändert, das zeigt wie erfolgreich sie ist. „1998 haben wir zwei Haltestellen gegeneinander getauscht. In der Praxis hatte sich gezeigt, dass ein Halt an der Bessunger Straße von den Pendlern besser angenommen wird als – wie ursprünglich geplant – ein Halt an der Eschollbrücker Straße“, erinnert Karl-Heinz Holub, Betriebsdirektor der HEAG Verkehrs-GmbH.
14,2 Millionen Mark wurden 1991 in das Gesamtprojekt Schnelllinie 6 investiert. Hauptkostenpunkt war die Erneuerung der Signalanlagen mit rund acht Millionen Mark. Von dieser Modernisierung profitieren bis heute auch die Darmstädter Autofahrer. Denn erst mit den neuen Signalanlagen wurde die Verkehrssteuerung und damit die „grüne Welle“ auf Darmstadts Straßen möglich.
Nicht nur das Prinzip der Vorrangschaltung für die Bahn war damals neu. Mit der „Sechs“ beschritt die HEAG Verkehrs-GmbH auch betriebliches Neuland. Denn von vornherein wurde hier auf den zeitverzögernden Fahrscheinverkauf im Fahrzeug verzichtet. Fahrkarten erhielten die Fahrgäste erstmals nur am Automaten – ein Prinzip, das sich inzwischen auf allen Schienenstrecken des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) durchgesetzt hat.
Vor zehn Jahren brachte die Schnelle 6 rund zehn Minuten Zeitersparnis für die Fahrgäste. Dass die Linie auf der Nord-Süd-Achse heute sogar noch schneller ist als damals, verdankt sie vor allem den moderneren Fahrzeugen. „Die Türen öffnen und schließen sich bei unseren neuen Straßenbahntypen wesentlich schneller“ erläutert Holub den Zeitgewinn.
Benötigten die Straßenbahnen 1991 zwischen den beiden Endpunkten „Frankenstein“ und „Gleisschleife Merck“ noch 25 Minuten, sind es heute sogar nur 23. Damit hat die Linie 6 gegenüber den Linien 7 und 8 einen Zeitvorsprung von sieben Minuten.
Dass zehn Jahre für eine Linie noch gar kein Alter sind beweist ein Blick auf die Linie 9. Ihr Geburtstag jährt sich in diesem Sommer zum 75. Mal. Betriebsdirektor Karl-Heinz Holub wünscht der Schnellen 6 ein ähnlich langes Leben: „Die hohe Akzeptanz bei den Fahrgästen spricht für eine lange Lebenserwartung. Manche sagen gar, die Linie sei unser bestes Stück“.