DARMSTADT (sir) – Mit neuen Straßenbahnen und umfassenden Infrastrukturinvestitionen haben die HEAG mobilo und ihre Tochterunternehmen HEAG mobiBus und HEAG mobiTram die ÖPNV-Qualität in den vergangenen Monaten für jeden Fahrgast spürbar gesteigert. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Harald Fiedler, beziffert die Investitionen des HEAG-Verkehrskonzerns 2006 mit 34 Mio. Euro und 2007 mit 23 Mio. Euro.
Die Beschaffung der 18 neuen Niederflurstraßenbahnen der Serie ST14 stellt mit rund 39 Mio. Euro mit Abstand die größte Investition in der Geschichte des Verkehrskonzerns dar (Investitionsanteil 2005: 13,6 Mio. EUR, 2006: 21,4 Mio EUR, 2007: 4 Mio. EUR). Rund die Hälfte der Fahrzeuge hat der Hersteller Alstom/Bombardier inzwischen ausgeliefert. Acht der neuen Niederflurbahnen werden von der HEAG mobilo bereits im Linienbetrieb eingesetzt. Die restlichen Bahnen sollen bis zum Ende des Jahres eintreffen. „Die neuen ST14 laufen sehr zuverlässig. Die Klimaanlage im Fahrgastraum und die mechanische Klapprampe werden von den Fahrgästen positiv angenommen“, berichtet Fiedler. Das neue Infotainment biete dem Fahrgast mehr Übersicht über den Linienverlauf als das bisherige Anzeigesystem. Insbesondere ortsfremde Personen können sich damit besser orientieren.
Die Investitionen dienen nicht allein dem Fahrgastkomfort. Harald Fiedler unterstreicht in diesem Zusammenhang die Bedeutung des ÖPNV für den Klimaschutz. „Jede Investition in Busse und Bahnen ist ein Beitrag für unser Klima“, so Fiedler wörtlich. Nach Berechnungen des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ist der ÖPNV bei mittlerer Auslastung dem motorisierten Individualverkehr (MIV) in Sachen Klimaschutz mindestens dreifach überlegen. Wer eine Straßenbahn nutzt, tut noch mehr fürs Klima. Gegenüber der Fahrt mit dem PKW entfällt auf den Straßenbahnnutzer rund ein Neuntel der Emissionsmenge.
Im vergangenen Jahr haben die Busse und Bahnen des Verkehrskonzerns rund 8 Millionen Fahrplankilometer zurückgelegt. „Würde man die gleiche Strecke mit dem PKW zurücklegen, entspricht einer Einsparung von rund 1,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid“, rechnet der Chef der Verkehrssparte vor.
Die neuen Busse der HEAG mobiBus erfüllen höchste Umweltstandards. Die 14 Neufahrzeuge mit melonengelber Banderole sorgen damit nicht nur optisch für frischen Wind. Ihre technischen Standards gehen sogar über die von den Aufgabenträgern definierten Qualitätsanforderungen hinaus. Neun der neuen Omnibusse erfüllen dank der eingebauten Rußpartikelfilter und eines modernen Verfahrens zur Abgasreinigung den so genannten EEV-Standard (Enhanced Environmentally Friendly Vehicle). Die übrigen Neufahrzeuge erfüllen bereits jetzt die Euro-5-Norm, die erst ab 2009 vorgeschrieben ist.
Nicht nur in Busse und Straßenbahnen, auch in die Schienenstrecken hat der Verkehrskonzern 2006 investiert. Die neue Nahverkehrsspur am Mathildenplatz ist als Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Darmstadt entstanden. Mit der Erneuerung der Fahrleitung findet die Baumaßnahme im Herbst ihren Abschluss. Die 457 m lange neue Trasse folgt dem Beispiel in der Rheinstraße und ist in Darmstadt die zweite ihrer Art. Zwischen Luisenplatz und Gericht beschleunigt sie die Verkehrsabläufe auf einer der wichtigsten ÖPNV-Achsen Darmstadts. „Davon profitieren auch viele Regionallinien“, stellt Fiedler heraus.
Der 2006 realisierte Abschnitt stelle für die HEAG mobilo erst den Anfang einer schnelleren ÖPNV-Anbindung des Hauptbahnhofs dar. In den kommenden Jahren soll die Trasse in weiteren Bauabschnitten über die Bismarckstraße zum Hauptbahnhof geführt werden. Die Gespräche mit der Stadt Darmstadt hat die HEAG mobilo dazu bereits aufgenommen. Eine Sanierung der Gleise in der Bismarckstraße sei für den Straßenbahnbetrieb dringend erforderlich. „Wir hoffen, dass die Stadt den Ausbau einer Nahverkehrsspur in der Bismarckstraße zeitgleich mit unserer Gleiserneuerung vorantreibt“, unterstreicht die Geschäftsführung die Notwendigkeit.
Eine zur Rheinstraße alternative Trasse zum Hauptbahnhof ist in den Augen des Verkehrsunternehmens mehr als nur eine Ausweichstrecke für die Straßenbahnlinien. Eine zweite durchgehende Nahverkehrsspur zum Hauptbahnhof verbessere die Anbindung des gestalterisch deutlich aufgewerteten Darmstädter Hauptbahnhofs. „Darmstadt braucht hier nicht nur eine optische Aufwertung, sondern auch eine Anpassung der Umsteigebeziehungen an die Verkehrsströme“. Vieles habe die Stadt hierzu schon geleistet. „Die Modernisierung der Bismarckstraße ist nur ein weiterer logischer Schritt in die richtige Richtung“, so die Auffassung der Geschäftsführung. Schon heute fahren dort zahlreiche Regionalbusse, und die in der Bismarckstraße verkehren-de Linie 3 leiste für den Schülerverkehr einen wichtigen Beitrag zur ÖPNV-Grundversorgung.
Modernes Verkehrsmanagement
Seit 2004 arbeitet die HEAG mobilo an der Umstellung auf die leistungsfähigere Digitalfunktechnik und betreibt damit eines der modernsten Verkehrsmanagementsysteme bundesweit. Ende 2007 soll die Umstellung abgeschlossen sein, die nicht nur die Leitstelle selbst, sondern auch Fahrzeuge, Signalanlagen und die Anzeiger für dynamische Fahrgastinformationen umfasst. „Auch wenn die Anzeiger an den Haltestellen bei einzelnen Linien nach wie vor noch Lücken aufzeigen, haben wir schon einen Großteil der Umstellung geschafft“, bilanziert Fiedler.
Anders als in der Vergangenheit überwacht und steuert die HEAG mobilo neben den konzerneigenen Linien im Auftrag des Rhein-Main-Verkehrsverbundes und der verschiedenen Nahverkehrsgesellschaften, wie Dadina oder die Lokale Nahverkehrsgesellschaft Groß-Gerau (LNVG), auch die anderer Busunternehmen. „Für die Fahrgäste bedeutet das an den Anzeigern Fahrplaninformationen für mehr Linien als bisher – und das nicht nur im Stadtgebiet, sondern auch in weiten Teilen Südhessens“, schildert Fiedler die Vorteile. Bisher sind an den Säulen am Luisenplatz nur die Abfahrtszeiten der HEAG-Linien abzulesen, von 2008 an werden neue, leistungsfähigere Anzeiger künftig auch die Abfahrten der Regionallinien darstellen. Insbesondere die Fahrgäste, die vom und ins Umland pendeln, werden die Qualitätsverbesserung spüren.
Inzwischen verfügt das Unternehmen über ein eigenes unabhängiges Funknetz, mit dem es heute über fünf Funkbasisstationen nahezu ganz Südhessen abdeckt, eine weitere entsteht gerade in Mörfelden-Walldorf, um die Funkqualität nach Nor-den und im Landkreis Groß-Gerau zu verbessern. Ein siebter Funkstandort für den Bereich Dieburg und den vorderen Odenwald ist ebenfalls geplant. Mit der Umstellung auf Digitalfunk hat die HEAG mobilo die Leistungskapazität ihrer Verkehrsleitstelle deutlich erweitert. Inzwischen sind rund 30 Prozent mehr Verkehre an die Verkehrsleitstelle angebunden als noch 2005.
Ergebnis um 10 Prozent verbessert
Fiedler sieht sein Unternehmen auf gutem Weg. „2006 haben wir den ÖPNV nicht nur technisch ein gutes Stück vorangebracht, wir haben es zudem auch geschafft, unser Ergebnis um mehr als 10 Prozent auf -20,4 Mio. Euro zu verbessern“. Dazu beigetragen haben sowohl Leistungsausweitungen als auch eine bessere Effizienz. Für Fiedler ist diese positive wirtschaftliche Entwicklung jedoch kein Selbstläufer: „Diesen Trend fortzusetzen gelingt uns nur in enger Zusammenarbeit mit den Auftraggebern, der Dadina und der Stadt Darmstadt“. Die „Neuen Wege“ in Arheilgen und die Streckenverlängerung in Alsbach seien dabei die derzeit größten gemeinsamen Herausforderungen.