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Neue Straßenbahnlinie von Darmstadt nach Kranichstein

Für den Bau der Straßenbahnlinie nach Darmstadt-Kranichstein übergab der Staatssekretär im hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, Dr. Herbert Hirschler (F.D.P.), am Montag der HEAG Verkehrs-GmbH einen Bewilligungsbescheid in Höhe von insgesamt 28.419.100 Mark. Nach den Planungen der HEAG Verkehrs-GmbH sollen zum Herbst 2002 die ersten Bahnen in den nordöstlichen Stadtteil rollen.

Der kaufmännische Geschäftsführer der HEAG Verkehrs-GmbH, Albert Filbert, der den Bescheid entgegennahm, wertete die neue Linie als Erfolg für einen zukunftsweisenden Nahverkehr in Darmstadt: „Die HEAG Verkehrs-GmbH“, so Filbert, „wird sich als zukünftiger Betreiber der Linie für eine Qualität verbürgen, die den Ansprüchen der Fahrgäste an einen modernen Nahverkehr gerecht wird“. Modernste Verkehrsleittechnik und die Emmissionsfreiheit der Straßenbahnfahrzeuge nannte er als weitere wesentliche Qualitätskriterien.

Auf Schienen nach Kranichstein

Die neue, 4,12 km lange Linie wird an der Kreuzung Frankfurter Straße / Alsfelder Straße aus der bestehenden Strecke nach Arheilgen abzweigen, folgt letzterer bis zur Kreuzung mit der Arheilger Straße und erreicht anschließend durch das Gelände des Bürgerparks den Martin-Luther-King-Ring. In diesem Bereich liegen drei Haltestellen in Laufnähe zu Messplatz, Nordbad/Berufsschulzentrum und Eissporthalle.

Nach Querung der Odenwaldbahn Darmstadt Erbach, der Kleingartenanlage „Auf der Haard“ und eines Gütergleises bindet sie an der Haltestelle „Borsdorffstraße“ das Neubaugebiet K6 an. Ab der Bartningstraße, die sie an der Haltestelle „Siemensstraße“ erreicht, nimmt die Trasse schließlich den Verlauf der heutigen Buslinien H und K über die Haltestellen „Gruberstraße“, „Esselbornstraße“ und „Institutszentrum“ auf. Sie endet unmittelbar am Bahnhof Kranichstein.

Mit dem Förderbescheid, so Stadtrat Dr. Hans-Jürgen Braun, würde der Weg frei das Baugebiet K 6 zeitgleich mit dem Bau der Straßenbahn zu entwickeln und ohne Zeitverlust die hochwertige Schienen- und Radwegeverbindung nach Kranichstein zu schaffen. Der Ausbau des ÖPNV sei ein wichtiger Baustein der Aktivitäten der Stadt im Rahmen der Agenda 21.

Die neun Haltestellen werden einen niveaugleichen, behindertengerechten Einstieg in die mit Niederflurtechnik ausgestatteten Fahrzeuge bieten. Für die Fahrgäste stehen zugleich transparente Wartehallen mit Fahrscheinautomaten zur Verfügung, Radler können beim Umstieg auf die Bahn an jeder Haltestelle ihr Fahrrad an einer Bike&Ride-Anlage mit durchweg mindestens zehn Stellplätzen parken.

Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 70 km/h und einem Grundtakt von 15 Minuten, der in den Hauptverkehrszeiten auf 7,5 Minuten verdichtet werde, erschließe die neue Straßenbahnlinie optimal sowohl den einwohnerstarken Stadtteil Kranichstein als auch das neue Baugebiet K6 sowie die Gewerbegebiete und Einkaufszentren und biete darüber hinaus noch eine schnelle Verbindung zur Innenstadt, hob der Staatssekretär hervor.

Erster Platz im Landes-ÖPNV

In der am 06. Juni vorgestellten Prioritätenreichung des Ministeriums nimmt die Straßenbahn den ersten Platz unter den ÖPNV-Großinvestitionen ein. Da es zukünftig möglich wird, viele Personen zur gleichen Zeit in weniger Fahrzeugen zu transportieren, werden im laufenden Betrieb gegenüber dem heutigen Busverkehr Kosten eingespart. Das Bewertungsraster weist zusätzlich deutliche Zugewinne bei den ÖPNV-Neukunden im Vergleich zu den Investitionen aus.

Trotz der schwierigen finanziellen Lage der Kommunen habe sie 16,9 Millionen Mark aus dem Haushalt der Stadt bis zum Jahr 2002 bereit gestellt, um Planungskosten und die städtische Anteilsfinanzierung für diese wichtige Infrastrukturinvestition zu sichern, erklärte Stadtkämmerin Cornelia Diekmann.

Grundlegende verkehrliche und städtebauliche Neuordnung

Durch die neue Straßenbahnstrecke ergeben sich verschiedene Veränderungen im bestehenden Liniennetz der HEAG Verkehrs-GmbH. Während auf der Kranichsteiner Linie künftig zwei neue Linien zum Hauptbahnhof und nach Griesheim verkehren, werden die Linienäste der Buslinien H und K nach Kranichstein neu verknüpft: Die Linie H soll das Wohngebiet im Bereich „Schwarzer Weg“ erschließen, die Linie K zum Ostbahnhof führen. Die Buslinie U erfährt zwischen Innenstadt und Kranichstein eine Aufwertung und verbindet im Anschluss an die Straßenbahn, die sie an der Haltestelle „Siemensstraße“ erreicht, Kranichstein mit dem Martinsviertel.

Mit der Einführung des Straßenbahnbetriebs sollen auch einige städtebauliche Nachteile überholter Verkehrskonzepte aus den 60er und 70er Jahren korrigiert werden. Überdimensioniert wirkende Straßenquerschnitte werden reduziert, der Charakter bestimmter Wohnstraßen deutlicher akzentuiert. Dies spielt eine besondere Rolle im Bereich der Bartningstraße zwischen Kranichsteiner Straße und Gruberstraße, deren Ausweisung als Tempo-30-Zone im Widerspruch zur baulichen Gestaltung steht. Der Straßenzug wird zwischen Kranichsteiner Straße und Siemensstraße vollständig umgebaut.

Parallel dazu soll das vorhandene Radwegenetz durch eine direkte Verbindung zwischen Kranichstein und dem Bürgerpark verbessert werden.
Die Signalanlage der üblicherweise mäßig, bei Veranstaltungen jedoch sehr stark frequentierten Kreuzung Arheilger Straße / Alsfelder Straße wird durch einen Kreisverkehrsplatz ersetzt; mit Ausnahme der Vollsignalisierung am Einkaufszentrum „Am See“ erhalten alle anderen Kreuzungen zwischen Straße und Straßenbahn Signalanlagen nur mit rotem und gelbem Licht, um den übrigen Verkehrsfluss nicht zu stören.

Die neue Linie nach Darmstadt-Kranichstein bringt viele Verbesserungen im Darmstädter Verkehrssystem. Sie bedeutet eine Anpassung an die Mobilitätsströme in der Stadt (insbesondere nach Fertigstellung der Neubaugebiete K6 und K9) und entlastet den Verkehrsraum besonders am Engpass der Eisenbahnunterführung Kranichsteiner Straße sowie im Martinsviertel. Gleichzeitig wird ein Anschluss an das überörtliche Verkehrsnetz über die Knotenpunkte Luisenplatz und Hauptbahnhof erreicht. Netzlücken werden durch die direkte Verkehrsbeziehung zum Hauptbahnhof geschlossen, versprechen sich Stadt und HEAG Verkehrs-GmbH. Zusätzlich werden sich die Situationen im Bereich der Verkehrssicherheit sowie bei den Lärm- und Abgaswerten verbessern. Umfangreiche trassennahe Begrünung und Baumpflanzungen schaffen eine optimale Einbindung in das landschaftliche Gesamterscheinungsbild.

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Lennart Sauerwald

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