DARMSTADT (sir) – Ferienzeit ist Baustellenzeit. Wenn die Kinder schulfrei haben und auch viele Erwachsene nicht täglich zur Arbeit pendeln, wird der Verkehr auf Darmstadts Straßen weniger. Wer große Straßenbaumaßnahmen umsetzen will, ist auf diese Zeiten angewiesen. André Dillmann, verantwortlich für die Betriebsanlagen der HEAG mobilo und die Bauabläufe für die neue ÖV-Spur auf der Rheinstraße, bewegt sich in einem engen zeitlichen Korsett. Ihm geben beim Neubau der Trasse die Ferien den Takt vor.
Ob Sommer- oder Herbstferien seit rund drei Jahren (Beginn Mai 2002) gehören auf dem Abschnitt zwischen Luisenplatz und Berliner Allee Schaufelbagger, Baustellenschilder und Bauarbeiter in orangefarbenen Warnwesten zum gewohnten Bild. Doch ein Ende ist in Sicht: Am vergangenen Samstag wurde der letzte Bauabschnitt an der Kreuzung Rheinstraße/Neckarstraße begonnen. Um den Ablauf zu beschleunigen, werden die Gleise erstmals schon auf Betonschwellen fertig montiert geliefert. Sie sollen an den kommenden Wochenenden als Fertigbauteile eingesetzt werden. „Die 10 Tonnen schweren Bauteile mit Baggern unter der Fahrleitung zu bewegen, wird eine technische Herausforderung werden, aber wir sparen dadurch rund zwei bis drei Wochen Bauzeit“, erläutert Dillmann die Vorteile.
Kommt nichts Unvorhergesehenes dazwischen, kann das fünf Millionen Euro schwere Großbauprojekt Mitte Dezember abgeschlossen werden.
Während viele Fahrgäste von der Baumaßnahme die ganzen Ferien über betroffen sind, gibt es für Autofahrer Einschränkungen nur an den kommenden vier Wochenenden. Dann ist ein Queren der Kreuzung in nord-südlicher Richtung nicht möglich. Die Umleitung für den KFZ-Verkehr wird örtlich ausgeschildert.
1,4 km Trasse hat Dillmann zu erneuern. Dabei werden nicht nur die Gleise ausgetauscht, sondern die Spur insgesamt auf 6,5 m verbreitert. „Die neuen Bustypen haben breitere Karosserien, so dass Überholmanöver z.B. an Haltestellen mehr Platz benötigen als in der Vergangenheit“, erklärt HEAG-Betriebsdirektor Karl-Heinz Holub die veränderten Erfordernisse. „Mit der neuen Breite wird auch bei Begegnungsverkehr eine gleichmäßige Fahrgeschwindigkeit für Busse und Bahnen möglich, die Fahrt für den Fahrgast somit auch etwas schneller,“ erläutert er den Kundennutzen.
Mit der neuen Breite musste auch die Position der Haltestellen auf der Rheinstraße verändert werden. Sie befinden sich daher etwas weiter außen als bisher. Gleiches gilt auch für die Gleise. So beträgt der Abstand zwischen Fahrzeug und Bordstein nur wenige Zentimeter und der gewohnte bequeme Ein- und Ausstieg bleibt den Fahrgästen erhalten.
Nicht nur die Betriebsabläufe werden sich auf der Rheinstraße mit der neuen Trasse verbessern; der neue Trassenaufbau mit Asphaltdecke macht die Busse laufruhiger und sorgt für geringere Fahrgeräusche, so profitieren auch die Anlieger davon. Am kommenden Wochenende wird es jedoch vermutlich noch einmal laut.